Prostatakrebs Selbsthilfegruppe Hochtaunus 

Mitglied im Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.

Warum regelmäßige Früherkennung?

In Deutschland wurde in 2016 über 60.000mal die Diagnose „Prostatakrebs 7' gestellt. Etwa 18% der Betroffenen sterben in Deutschland an der Erkrankung. [1] Nur wenn der Krebs früh erkannt wird, besteht die Möglichkeit zu handeln, und es ist häufig eine Heilung möglich. Ansonsten kann sich der Tumor langsam aber stetig ausbreiten und streuen. Dann ist keine Heilung mehr möglich.

Neuere Studien (ESPRC) zeigen, dass die Sterblichkeit bei Patienten, die sich regelmäßig untersuchen lassen, etwa 20% geringer ist.

Doch nicht jeder Krebs muss behandelt werden, auch wenn die Diagnose den Betroffenen beunruhigt. Dies ist der Grund, warum auch intensiv über Nutzen und Gefahr der Früherkennung diskutiert wird. Eine Übertherapie sollte nicht stattfinden. Die Behandlungsleitlinien für den Prostatakrebs berücksichtigen mittlerweile diese Tatsache. [2]

Letztendlich bleibt es jedem überlassen, ob er zur Früherkennung gehen möchte.

Wir als Selbsthilfegruppe sind jedoch der Meinung, dass man den Kopf nicht in den Sand stecken sollte. Wichtig ist vor allem, sich gut über die Möglichkeiten der Früherkennung und nach einer positiven Diagnose zu informieren.

Die Früherkennung ist keine Vorsorge. Krebs kann man durch eine Untersuchung nicht verhindern. Aber sie kann helfen, den Krebs frühzeitig zu entdecken.

 

Wie funktioniert die Früherkennungsuntersuchung?

Die Früherkennung besteht zunächst einmal aus der Tastuntersuchung (DRU, digitale rektale Untersuchung), bei der der Arzt die Oberfläche der Prostata mit dem Finger durch den Enddarm abtastet. Stellt er hierbei Verhärtungen fest, ist die Wahrscheinlichkeit eines Tumors in der Prostata groß. Der tastbare Tumor ist dann bereits mehr oder weniger fortgeschritten.

Diese Leistung wird im Rahmen der Krebsvorsorge von den Krankenkassen übernommen.

Ein weiterer Baustein ist die Ermittlung des PSA-Wertes durch eine Blutuntersuchung.

Diese Leistung wird von den Kassen für die Früherkennung nicht übernommen, kostet zurzeit etwa 25 Euro.

Sie ermöglicht das Erkennen von Auffälligkeiten, auch ohne dass bereits ein Tastbefund vorliegt.

Ist dieser Wert erhöht, deutet dies auf eine Entzündung oder Belastung der Prostata hin.

Oder eben Prostatakrebs.

Wird bei einer einmaligen Untersuchung ein erhöhter Wert gemessen, sagt dies nicht sehr viel darüber aus, ob ein Prostatakrebs vorliegt, wenn der Wert nicht sehr hoch ist.

Wenn der Wert aber regelmäßig untersucht wird und dabei stetig ansteigt, ist die Wahrscheinlich­keit eines Tumors groß, so dass eine weitere Untersuchung sinnvoll ist.

Die Behandlungsleitlinien empfehlen eine regelmäßige Früherkennungsuntersuchung ab dem 45. Lebensjahr, bei familiärer Vorer­krankung bereits ab dem 40. Lebensjahr, wenn die Lebenserwartung länger als 10 Jahre ist. Wurde dabei ein PSA-Wert von unter 1 ng/ml gemessen, ist eine weitere Kontrolle erst nach ier Jahren angebracht. Bei einem Wert zwischen 1 und 2 ng/ml wird ein 2-jähriges Testintervall empfohlen, über 2 ng/ml sollte jährlich kon­trolliert werden. Bei Männern über 70 Jahren mit einem PSA-Wert unter 1 ng/ml wird keine weitere PSA-Untersuchung empfohlen. [2]

Bei bestimmten, besonders aggressiven Tumoren spricht der PSA-Test nicht an, so dass Sie unbedingt auch andere Symptome (Blut im Urin, Probleme beim Wasserlassen, Schmerzen im Beckenbereich und in Gelenken) mit dem Arzt besprechen sollten.

 

Wie geht es nach einer positiven Diagnose weiter?

Um zu klären, wie aggressiv der Krebs ist und welche Behandlung angeraten ist, wird in der Regel eine Gewebeentnahme aus der Prostata durchgeführt. Auch eine MRT der Prostata wird im klinischen Alltag immer häufiger durchgeführt, um dem Patienten eventuell eine Biopsie zu ersparen.

Der Arzt kann erkennen, wie weit der Krebs sich ausgebreitet hat und wie aggressiv die Krebsart ist. Je Untersuchungsergebnis kommen eine ganze Reihe von Behandlungsmöglichkeiten in Frage unter Anderem aktives Beobachten (Active Surveillance), verschiedene Arten der Bestrahlung, Operation, medikamentöse Therapie.

 

Wo und wie kann ich mich informieren?

Die erste Anlaufstelle ist natürlich Ihr Urologe. Es bieten sich oft mehrere Alternativen an, über die Sie Ihr Arzt informiert, wenn er einen Behandlungsvorschlag macht.

Vor der Entscheidung für eine Behandlung sollten Sie sich jedoch eine zweite Meinung einholen.

In Selbsthilfegruppen können Sie die Erfahrungen von Betroffenen nutzen. Auch das Internet bietet gute Informationsmöglichkeiten. Die Deutsche Krebsgesellschaft und der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V bieten vielfältige Informationsbroschüren zum Thema Prostatakrebs an.


Zitierte Quellen:

[1] Patientenleitlinie „Früherkennung" Ausgabe 2015

[2] Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherken­nung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms Langversion 4.0 - Dezember 2016

Herausgeber beider Schriften:

„Leitlinienprogramm Onkologie" der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe